Archiv für März 2010

Domainhoster GoDaddy mit Registrierungsstopp in China

Donnerstag, 25. März 2010

Ob die Entscheidung Chinas Zensurpolitik zu trotzen plötzlich als nützliches politisches Druckmittel zur Erzwingung günstigerer Geschäftsbedingen beim chinesischen Partnerunternehmen entdeckt wurde, oder die lang gesuchte Möglichkeit zum dezenten Rückzug nun mit kostenloser Imagepflege verbunden wird – die Tatsache, dass offenbar weitere US-Unternehmen zumindest teilweise China die Unterstützung versagen, ist auf jeden Fall bemerkenswert.

Die Washington Post weiß beispielsweise zu melden, dass mit GoDaddy auch einer der großen US-Domainprovider auf politische Bestimmungen reagieren will und die Einstellung von Registrierung der .cn-Domains angekündigt hat.

Eine seit Dezember des Vorjahres geltende Regelung verlangt nun auch rückwirkend die Bereitstellung von Geschäftslizenz-Seriennummern sowie Fotografien der Domaininhaber durch die Provider.

GoDaddy ließ erklären, man werde zwar bislang bestehende Domains weiterhin verwalten, Neuregistrierungen von chinesischen Domains (.cn) jedoch nicht mehr durchführen.

Für die Entscheidung könnte auch die steigende Zahl von DDoS-Angriffen verantwortlich sein, denen sich GoDaddy eigenen Angaben zufolge seit Anfang des Jahres ausgesetzt sieht und die zumindest teilweise nach China zurück verfolgbar gewesen wären.

Google Mail mit Sicherheitsfunktion

Donnerstag, 25. März 2010

Offenbar als Konsequenz des Angriffs auf die Google Mail Konten chinesischer Aktivisten, der zur Ursache des Google-China-Konflikts wurde, hat das Unternehmen nun Google Mail um eine Funktion erweitert die zusätzliche Sicherheit bieten soll, indem sie den Inhaber des Accounts per Warnhinweis auf mögliche Manipulationen aufmerksam macht.

Konzept hinter dem Warnhinweis ist die Lokalisierung der IP des Rechners, von dem aus das Online-Mailkonto aufgerufen wird. Handelt es sich um einen Standort der im Ausland liegt, wird der Benutzer beim nächsten einloggen darauf aufmerksam gemacht, wann ein Zugriff von einem ungewöhnlichen Standort aus erfolgte.

Da das Konzept der Geolokation an die Domain von Google Mail gebunden ist, funktioniert dieser Warnmechanismus nicht, falls die Mails per POP3 oder IMAP abgerufen werden. Nachteilig ist die Funktion auch für Personen die oft Reisen unternehmen und nach der Rückkehr von Google Mail mit Warnhinweisen eingedeckt werden.

Insgesamt jedoch gerade für unerfahrene Internetnutzer eine durchaus sinnvolle Funktion, die dem Benutzer ab sofort zur Verfügung steht und nur über Umwege zu deaktivieren ist, was durchaus Sinn macht, da andernfalls der Eindringling seine Spuren zu leicht verwischen könnte.

Freie Informationen Ende März

Donnerstag, 25. März 2010

Am gestrigen Mittwoch zeichnete die Free Software Foundation Europe (FSFE) zwei Radiosender für die Nutzung des freien Musikformates Ogg Vorbis in ihren Livestreams mit dem diesjährigen Document Freedom Day Preis aus.

Den beiden Gewinnern – das Deutschlandradio und das österreichische Radio Orange 94.0 – wird am 31. März eine Torte mit der humorvoll-optimistischen Aufforderung “rOGG on!” überreicht.

Den 31. März sollte man sich jedoch auch aus einem anderen Grund vormerken, denn in diesem Jahr findet der “Document Freedom Day” an diesem Datum statt, so dass allen, die noch in irgendeiner Weise aktiv werden oder an bereits vorbereiteten Aktionen teilnehmen wollen, dringend ein Blick auf die englischsprachige Webseite des Document Freedom Day empfohlen wird.

Twitter mit Spamstatistik

Mittwoch, 24. März 2010

Eigenen Angaben zufolge ist der Mikroblogging-Dienst Twitter in seinem Kampf gegen Spam und schädliche Inhalte überdurchschnittlich erfolgreich.

Durch Kurz-URLs auf Malware-Webseiten und unerwünscht zugesandte Werbe-Tweets hatte das Angebot einen zweifelhaften Ruf bekommen, der jedoch durch die Ankündigung, man werde ab sofort gezielter gegen Spam vorgehen, erst einmal gerettet werden konnte.

Nun hat Twitter Statistiken vorgelegt, deren Ergebnisse die Effizienz der Anti-Spam-Maßnahmen zu belegen scheinen. Allerdings hat das Winston Churchill zugeschriebene zugeschriebene Zitat: “Traue keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast” eventuell auch in diesem Fall bedingt seine Richtigkeit, weiß man doch oft nicht genau zu sagen, welche Maßstäbe das Unternehmen hierzu herangezogen hat.

Bing Deutschland bald mit Echtzeitsuche

Mittwoch, 24. März 2010

Nachdem Google die bislang lediglich in der US-Version seiner Suchmaschine nutzbare Funktion der Echtzeitsuche unlängst auch deutschen Nutzern zugänglich gemacht hatte, zieht nun wenig später auch Konkurrent Microsoft mit seiner Suchmaschine Bing nach.

Microsoft lässt es jedoch nicht dabei bewenden, neben den regulären Domain-Ergebnissen lediglich aktuelle Tweets mit Relevanz zum Thema anzuzeigen, auch in puncto Sicherheit will man auftrumpfen. So werde anhand der “Social Reputation Technology” nicht nur die Seriosität und Qualität bestimmter Twitternutzer ermittelt und Spam sowie jugendgefährdende Inhalte herausgefiltert – vielmehr werden zusätzlich Kurz-URLs die bereits als Medium zur Verbreitung von schädlichen Inhalten unrühmliche Bekanntheit erlangten zunächst automatisch auf ihre Unbedenklichkeit geprüft.

Auch eine direkte Twitter-Suche bietet Bing seinen Benutzern – damit ist für den modernen Informationsjunkie alles dabei und so aufbereitet, dass es nicht überladen wirkt.

Schließlich wirbt Microsoft explizit mit dem Vorteil, durch seine Suchmaschine könne man dem “Search Overload” entgehen und relavante Informationen erhalten.

Starten soll das neue Feature in Deutschland am 29. März 2010

Google-Gründer will Politisierung

Mittwoch, 24. März 2010

Während China versucht durch die “Great Firewall” den unzensierten Internetzugang zu entsprechenden Domains weiterhin zu behindern, rät Google seinen chinesischen Nutzern Proxies und andere Technologien zu nutzen um diese Sperren zu umgehen.

Gleichzeitig rief Google-Mitgründer Sergei Brin die US-Regierung dazu auf,  stärker politischen Druck auszuüben. Neben Unternehmen solle sich auch die Politik deutlicher für Zensurfreiheit engagieren. Dies sei bereits aus rein wirtschaftlichem Interesse heraus wichtig, da Zensur Wirtschaftsfreiheit und Wettbewerb einschränken würden.

Zusätzlich ließ er es sich auch nicht nehmen, einen Seitenhieb zum Konkurrenten Microsoft auszuteilen. Das Unternehmen hatte bereits erklärt, wenn erfolgreiche Geschäfte gemacht werden sollen, so müsse man sich an örtlich geltendes Recht halten. Daher würde Microsoft bewusst Menschenrechte den eigenen Interessen unterordnen.

Allerdings gab er auch medienwirksam zu, die ursprüngliche Bereitschaft von Google zur Zensur in China sei ein Fehler gewesen.

Ob Google von seiner “Moralapostel-Politik” stärker profitieren wird, als Microsoft von seinem Kuschelkurs bleibt abzuwarten, man kann jedoch festhalten, dass eine zunehmende Politisierung des Google-China-Konflikts stattfindet.

Malvertising bei Google und Co

Dienstag, 23. März 2010

Online-Werbung wird nicht nur in Form von Pop-Ups als lästig empfunden, bereits Anzeigen verärgern viele Benutzer. Was ihnen meist nicht bewusst ist: Derartige Werbeanzeigen können sogar die Sicherheit des Betriebssystems gefährden.

Das so genannte Malvertising (Eine Kombination aus “Malware” und “Advertising”) wird jedoch nicht nur auf kleinen und unbedeutenden Werbeplattformen zum Problem.

Angaben des Sicherheitsdienstleisters Avast zufolge sind auch immer wieder namhafte Anbieter und Werbeplattformen großer Unternehmen betroffen, darunter auch Yahoo, das mit dem Yield Manager auf vielen Seiten vertreten sind. Im Vergleich zu Yahoo! und dem Dienst Firmserve,com der dem Anbieter Fox gehört, ist die Malvertising-Rate bei Googles DoubleClick.com sowie im sozialen Netzwerk von MySpace relativ gering.

Alle Anbieter erklärten, das Risiko sei ihnen bekannt und in den meisten Fällen auch bereits durch die Löschung der Anzeigen behoben und Gegenmaßnahmen getroffen worden. Google setzt zu diesem Zweck sogar ein eigenes Sicherheitssystem zur Überwachung der Online-Werbung ein und gibt darüber hinaus Informationen, wie sich Anzeigen vor Malvertising absichern lassen.

Benutzer deren Rechner bereits über entsprechende schädliche Anzeigen infiziert wurden, kann im Endeffekt nur zum Backup oder zur Neuinstallation geraten werden, da an sich immer noch die Regel “Ein Virus gecheckt . zehn weitere unentdeckt” gelten sollte.

Firefox Sicherheitsupdate verfügbar

Dienstag, 23. März 2010

Die Meldungen über den Zero-Day-Exploit der aktuellen Version 3.6 des Browsers Mozilla Firefox hatten für Beunruhigung und großes Medienecho gesorgt. Tatsächlich gab es von verschiedenen Stellen sogar die Empfehlung, bis zum schließen der kritischen Sicherheitslücke auf andere Browser auszuweichen.

Mozilla hat nun schnell reagiert und das ursprünglich für später angekündigte Sicherheitsupdate bereits jetzt zur Verfügung gestellt. Allen Benutzern des aktuellen Mozilla Firefox 3.6 wird dringend geraten, das Update auf die Version 3.6.2. einzuspielen.

Dieses drastische Szenario zeigt wieder einmal, was die Autoren von Datenschutz-Webseiten immer wieder auf ihren Domains betonen: Auch der Wechsel zu einer neueren Version eines Programms sollte überlegt geschehen.

Oft gibt es bereits wenige Tage oder Wochen nach einem aktuellen Release entsprechende Berichte über Schwachstellen die ein Stabilitätsupdate oder eben einen Bugfix der brandneuen Version erforderlich machen. Etwas zu warten kann also durchaus von Vorteil sein. ;)

Googles Zensurkampf möglicherweise zwecklos

Dienstag, 23. März 2010

Großes Aufsehen erregte Googles Ankündigung, nach dem Scheitern der Verhandlungen mit der politischen Führung der Volksrepublik China, die Zensur der Suchmaschine dort auszusetzen.

Die jetzt stattgefundene Umsetzung dieser Drohung sorgte nun erneut für Spannungen zwischen dem Internetkonzern und der chinesischen Regierung. Dem Suchmaschinenbetreiber wird die Verletzung von vertraglichen Vereinbarungen vorgeworfen.

Umleitung auf Hongkong-Domain

Ab sofort werden Benutzer, welche die Webseite von Google.cn aufrufen automatisch auf die Domain Google.com.hk weitergeleitet. Dabei handelt es sich um die Präsenz des Unternehmens in der Sonderverwaltungszone Hongkong, welche einen politischen Sonderstatus hat und daher weniger von der Zensur betroffen ist.

Befürworter von Googles Vorgehen, halten die Umleitung auf die Hongkong-Domain für einen kleinen Geniestreich – bleibt den chinesischsprachigen Benutzern doch die Bedienoberfläche in ihrer Sprache erhalten, während gleichzeitig der Zugriff auf unzensierte Inhalte erleichtert wird. Außerdem kann Google auf diese Weise dem Vorwurf der Vertragsverletzung leichter widersprechen

Schutz vor Verfolgung von Mitarbeitern

Das Unternehmen fühlte sich jedoch gleichzeitig dazu veranlasst deutlich darauf hinzuweisen, dass die entsprechenden politischen Entscheidungen von der US-Zentrale des Mutterkonzerns ausgegangen seien. Zu keiner Zeit hätten Mitarbeiter in China irgendeinen Einfluss auf die Entscheidung nehmen können.

Google versucht auf diese Weise vermutlich zu verhindern, dass Angestellte von Google China politischem Druck oder sogar der Strafverfolgung durch chinesische Behörden ausgesetzt werden. Die Vorliebe des kommunistischen Regimes für Schauprozesse, langjährige Haftstrafen sowie Arbeitslager und Todesstrafen gegenüber politisch unliebsamen Kräften ist schließlich hinlänglich bekannt.

Chinas Zensur greift trotzdem

Zwischenzeitlich versucht die Volksrepublik technisch alles was möglich ist, um die Pläne von Google zu vereiteln – und scheinen damit bereits erfolgreich zu sein. Es gibt entsprechende Berichte, die Zensurfilter wären bereits auf die Hongkong-Domain von Google angepasst worden.

So sollen sich zwar vom chinesischen Festland aus ungefilterte Suchen durchführen lassen – der Zugriff auf die zahlreichen Suchergebnisse werde jedoch geblockt.

Googles künftiger Wirtschaftstatus in China

Der Suchmaschinenriese plant den bisherigen Plänen nach nicht, sich gänzlich aus China zurückzuziehen, Forschungs- und Entwicklungseinrichtungen sollen dort erhalten bleiben. Die Anzahl der Arbeitsstellen soll jedoch von den Zensurlockerungen abhängig gemacht werden

Ob die chinesische Führung nach diesem Affront sich jedoch weiterhin von den wirtschaftlichen Vorteilen, die sich für das Land ergeben könnten leiten lässt, oder ob diese Option gänzlich abgelehnt und mit einer vollständigen Rückzugsforderung verbunden wird, bleibt abzuwarten.

Google als Handlanger der USA

Montag, 22. März 2010

Nachdem es Berichte gegeben hatte, Google wolle sich zumindest mit seiner Suchmaschine aus China zurückziehen, scheint sich nun Chinas Führung bezüglich ihrer Linie nicht mehr gänzlich sicher zu sein.

War zunächst erklärt worden, Chinas größte Suchmaschine Baidu sei gänzlich ausreichend, man könne auf Google.cn gut auf dem chinesischen Markt verzichten, so gibt es nun angedeutete Drohgebärden falls Google sich tatsächlich zurückziehen sollte.

Klar formuliert sind dagegen die übliche linientreue Argumentation wie man sie aus anderen totalitären Staaten, wie etwa der ehemaligen Sowjetunion kennt:

Google wolle die Verhandlungen politisieren, bei der Suchmaschine handele es sich um einen Handlanger der US-Politik und Ziel von Google sei es “in die chinesische Kultur und die Wertvorstellungen des Volkes einzudringen” wie es in einem Kommentar der staatlichen Nachrichtenagentur Xinhua in der englischsprachigen “China Daily” zu lesen war.

Diesen Standardfloskeln muss sicher nichts mehr hinzugefügt werden, um die Ausrichtung der chinesischen Politik nachvollziehen zu können.