Archiv für September 2009

Europarat will Providerzwang

Mittwoch, 30. September 2009

Während in den USA Pläne bestehen, die ICANN unabhängiger von staatlicher Kontrolle zu machen, will man in Europa offenbar einen anderen Weg gehen.

So plant der Europarat künftig einen stärkeren Einfluss auf die Internet-Regularien und deren Kontrolle auszuüben. Die Parlamentarische Versammlung des Europarats (PACE) fordert  in einer Resolution zwar die Schaffung von jugendgerechten Online-Angeboten und adäquaten Internet-Zugängen, andererseits schießt man mindestens in einem Punkt über die gegebenen Notwendigkeiten hinaus.

So wird von Seiten der PACE gefordert, die Provider für illegale Inhalte stärker in die Verantwortung zu ziehen. Ob die kritischen Inhalte von Nutzern, oder gar von Drittanbietern stammen, sei dabei nicht relevant.

Durch die von der PACE geforderten Maßnahmen werden Provider zunehmend von der Aufgabe des Dienstleisters (Webhosting, Domainservice) in die Rolle einer kontrollierenden und überwachenden Instanz gedrängt.

Sollten entsprechende Beschlüsse der Resolution umgesetzt werden, so sehen sich als Folge die Provider erneut in einer ähnlichen Situation wie sie sich bereits durch die Regelung zur Vorratsdatenspeicherung ergeben hatte:

Ein erheblicher Mehraufwand und zusätzliche Kosten zur Umsetzung einer rechtlich fragwürdigen Regelung werden aufgrund von mangelndem Sachverstand der zuständigen Instanzen auf Provider von Webspace, Serverdiensten und Domainhosting abgewälzt.

Viel ist dabei von Pace (ital. für “Frieden“) nicht zu spüren…

Bing gegen Betrug

Mittwoch, 30. September 2009

Bing, die Suchmaschine aus dem Hause Microsoft soll den Benutzer künftig vor möglicherweise betrügerischen Angeboten warnen. Mit diesem Feature setzt das Unternehmen aus Redmond offenbar eine Strategie fort, mit der man beim Benutzer durch einen Mehrwert in Form von Sicherheit, punkten will.

Erst am gestrigen Dienstag hatte der Software-Riese seine neue Sicherheitsanwendung kostenlos zum öffentlichen Download angeboten.
Was nun den Sicherheitszuwachs bei Bing betrifft, ist das Unternehmen hier in Kooperation mit der US-Handelskommission tätig.

Vorerst nur in der US-Version der Suche, soll der Nutzer vor Angeboten gewarnt werden die in Bereichen offeriert werden, von denen bekannt ist, dass sie attraktiv für Betrüger sind.

Dazu zählen unter anderem unseriöse Dienstleistungsangebote die beispielsweise mit dem Versprechen werben, dem Kunden einen verbesserten Anschein der Kreditwürdigkeit verschaffen zu können, was nicht nur bei Kreditkartengeschäften von Vorteil sein soll.

Betrügerische Angebote dieser Art werden besonders von US-Amerikanern oft als Chance gesehen, um etwa hypothekenbelastete Immobilien durch Bankaufschubzeiten lange genug halten zu können, bis die Folgen der Wirtschaftskrise abebben.

Ob diese Warnfunktion von Bing sich somit ausschließlich eines “typisch amerikanischen” Problems annimmt, oder in Kooperation mit anderen Instanzen auch international ausgeweitet werden kann, ist bislang nicht bekannt.

Dammbrecher gegen Chinas Zensurwall

Mittwoch, 30. September 2009

Erst gestern schreckten Teile der Webszene auf, als von Seiten des Tor-Projekts bekannt gemacht wurde, dass Chinas Zensur nun auch 80% der Knoten des Anonymisierungsnetzwerks Tor erfolgreich geblockt habe.

Bereits einen Tag später veröffentlicht nun Jon Oberheide, Sicherheitsexperte an der University of Michigan (USA) eine Software, die unter dem treffenden Namen “Dam Burst” den von der chinesischen Führung etablierten “Green Dam” umgehen können soll.

Da die Zensur in der Volksrepublik China erfahrungsgemäß auch politische Seiten und ausländische Domains umfasst, wären bei entsprechender Wirksamkeit und Verbreitung der neuen Anwendung auch weiterhin möglichst unzensierte Berichterstattung aus dem kommunistischen Reich der Mitte möglich.

Ironischerweise setzt “Dam Burst” dabei auf die gleiche Technik wie die Zensursoftware selbst, die offiziell lediglich dem Jugendschutz dienen soll.

Google mit Testerwelle

Mittwoch, 30. September 2009

Für den Internetriesen Google ist sein neuer Kommunikationsdienst Google Wave so etwas wie ein Prestigeprojekt in das neben finanziellen Mitteln auch große Erwartungen investiert worden sind. Ein scheitern der Anwendung könnte Google vermutlich nicht unerheblichen Schaden zufügen.

Dessen ist sich auch das Unternehmen bewusst und daher mag dies einer der Gründe sein, weshalb Google nun ab Mittwoch dem 30.09.2009 mehr als 100.000 Einladungen zur Mitarbeit am Projekt bietet.

Auch wenn selbstverständlich mehrheitlich Entwickler die bereits Erfahrung mit Google Wave haben nun verstärkt eingespannt werden sollen, so wurde auch angekündigt, bereits eine beschränkte Zahl von Endanwendern als Tester zuzulassen.

Diesen ersten Nutzern soll auch die Möglichkeit zur Einladung weiterer Tester gegeben werden, da sich eine Kommunikationsplattform wie es Google Wave werden soll, nur anhand sozialer Interaktion zwischen mehreren Personen testen und verbessern lässt.

Kritiker sehen in Google Wave unter anderem das Risiko, die gesamte Internet-Kommunikation in einer Anwendung zu bündeln und so künftige Produktivitätseinbußen bei Nichtgebrauch zu schaffen.

Soziales Internet

Dienstag, 29. September 2009

Das Vertrauen in Anbieter wie Google und deren Dienste ist bei Internet-Einsteigern und Personen die das Internet primär zur Recherche verwenden am größten. Auch Online-Gamer die sich in Spielen wie World of Warcraft betätigen, sind meist unkritisch oder haben kein Interesse am Thema. Dagegen sind Nutzer die sich auch über Netzpolitik informieren deutlich kritischer gegenüber Quasi-Monopolisten.

Diese Unterschieden können jedoch eventuell unter anderem auch auf das Altersgefälle zurückzuführen sein: Angebote mit hohem Unterhaltungsfaktor wie Social Communities und Spiele sprechen in der Regel eher jüngere Internetanwender an.

Besonders Foren und Blogs tragen dagegen zur “Politisierung” des Netzes bei und unterstützen die Entwicklung von Diskussionen und Austausch. Eine Folge dieser Zuwendung hin zu gesellschaftskritischen Themen ist sicher auch das gute Abschneiden der Piratenpartei bei den Wahlen.

Das Internet führt somit keineswegs zur sozialen Isolation, sondern kann zur Koordination von gemeinschaftlichen Aktionen, wie etwa Demonstrationen beitragen. In wie weit Mikroblogging-Dienste wie Twitter dabei von Nutzen sind, wird allerdings unterschiedlich bewertet.

Lokalisten schlucken Webnews

Dienstag, 29. September 2009

Die ProSiebenSat1-Gruppe konnte nach Meinung einiger Experten nicht unbedingt mit ihrer Berichterstattung zur jüngst stattgefundenen Bundestagswahl glänzen – in Sachen Internet hat der Konzern jedoch offenbar ein glücklicheres Händchen.

Tatsächlich scheint es eine Stärke von ProSiebenSat1 zu sein, prominente Angebote des so genannten Web 2.0 in seinen Besitz zu bringen. So ist der Medienkonzern mehrheitlicher Miteigentümer des bekannte Videoportals MyVideo sowie der Wissensplattform wer-weiss-was.

Nun gab es ein weiteres Geschäft: Über das Angebot von Lokalisten.de (dessen Eigentümer zu 90% die ProSiebenSat1-Mediengruppe ist) wurde nun auch das Social-News-Portal Webnews in deren “Besitz” eingegliedert.

Ursprünglich war lediglich von einer möglichen Kooperation zwischen Lokalisten.de und Webnews die Rede, die nun erfolgte Übernahme kommt etwas überraschend. Lokalisten-Geschäftsführer Jens Doka äußerte sich dagegen ausnehmend positiv und sprach von einer optimalen Ergänzung beider Angebote.

YouTube und Warner auf Einigungskurs

Dienstag, 29. September 2009

Ende 2008 war es einer großen Zahl von YouTube-Nutzern aufgefallen: Ein Teil der Videos war aus urheberrechtlichen Gründen entfernten worden. An sich nichts ungewöhnliches auf einer Videoplattform, auf der ein großer teil der Musikvideos kopiertes Material sein dürfte. Ungewöhnlich war nur der Umfang.

Ursache für die Entfernung der Videos war der Beginn eines lange andauernden Rechtsstreits zwischen YouTube und der Warner Music Group aufgrund auslaufender Lizenzregelungen und Uneinigkeit über deren Weiterführung.

Wie das Wall Street Journal in einem aktuellen Artikel zum YouTube/Warner Konflikt unter Berufung auf “eingeweihte Personen” zu berichten weiss, sind die Differenzen nun weitgehend geklärt.

Warner wird das Recht zugesprochen, den Werbeplatz zu den unter Lizenz  stehenden Videos zu vermarkten, also entweder selbst zu verkaufen, oder dritte damit zu beauftragen, um anschließend den Hauptteil der auf diese Weise erzielten Einnahmen für sich beanspruchen zu können.

Somit könnten eventuell zu bislang noch unbekannter Zeit bisher entfernte Videos wieder auf YouTube zu sehen sein – wohl dem, der sie trotz Sperrung in seiner Liste behalten hat.

Microsofts kostenloser Virenschutz

Dienstag, 29. September 2009

Wie bekannt wurde, kündigte Microsoft an, im Verlauf des heutigen Tages die Finalversion seiner Sicherheitssoftware “Microsoft Security Essentials zu veröffentlichen.

Ursprünglich unter dem Codenamen “Morro” in der Entwicklung, sollen die “Microsoft Security Essentials” den Anwender von Microsoft Windows XP, Vista und 7 vor diversen Sicherheitsrisiken schützen und zwar in Echtzeit.

Ob die Software, die in 19 Ländern und acht Sprachen erhältlich sein wird, von Sicherheits-Experten ähnlich positiv aufgenommen werden wird, wie seinerzeit die Windows-Firewall die von vielen als “einzig brauchbare Funktion” des Service Packs 2 für Windows XP bezeichnet wurde, muss sich erst noch zeigen. ;)

Der Download soll aller Voraussicht nach, von der Webseite der Microsoft Security Essentials erfolgen

China blockt verstärkt Tor

Montag, 28. September 2009

Lange erwartet – nun ist es soweit: Während von Bürgerrechts- und Datenschutzaktivisten in Deutschland die neu gewählte schwarz-gelbe Regierung mit großer Skepsis beobachtet wird (und man sich gleichzeitig über das gute Ergebnis der Piratenpartei freut), schlägt andernorts die staatliche Zensurkeule voll zu:

China ist es offenbar erstmals gelungen, eine große Anzahl von Servern des Anonymisierungsnetzwerks Tor anhand ihrer Adressen zu blockieren. Die “Great Firewall of China” dürfte somit ein Stück dichter geworden sein – 80% der Tor-Nodes werden angeblich aktuell geblockt.

Um unzensierte Berichterstattung zu ermöglichen, ohne dass sich die Autoren der Gefahr ausgesetzt sehen, ohne Probleme durch ihre IP identifiziert zu werden und mit Repressalien rechnen zu müssen, wird daher an mehreren Stellen darum gebeten, private Tor-Relays aufzusetzen, da sich diese aufgrund ihrer geringeren Bekanntheit schwieriger blockieren lassen.

Weitere Informationen finden sich auf dem englischsprachigen Blog des Tor-Projekts.

Sevenload-Gründer zieht sich zurück

Montag, 28. September 2009

Die Gründer des Video-Portals Sevenload wollen sich künftig auch anderweitig orientieren – Ibrahim Evsan plant zusammen mit Thomas Bachem ein neues “Start-Up” und zieht sich unter anderem aus diesen Grund ab dem 20 September von seiner jetzigen Position zurück. Damit gibt er den Titel des CTO auf, will jedoch künftig weiterhin im fachlichen Beirat des Unternehmens tätig bleiben.

CEO Axel Schmiegelow dankte dem Gründer für sein Engagement und fand auch entsprechende Worte zur neuen Struktur des Unternehmens. Nun könne man “operative Verantwortung auf mehr Schultern verteilen“. Ob und wenn ja, in welcher Weise sich diese Umstrukturierung auf das Angebot von Sevenload auswirken wird, bleibt abzuwarten.